Bauen neu gedacht

Wie gelingt der Wandel zu mehr Klimaschutz im Baubereich? Die Bildungsoffensive Nachhaltiges Bauen Mitte Niedersachsen zeigt, wie nachhaltige Materialien, Wissenstransfer und Vernetzung den Wandel der Branche voranbringen.

Ein Mann und eine Frau in einem Stall voller Strohballen
© BiWeNa e.V.

 

„Das hier“, sagt Jacob Gruender und deutet auf einen hohen Stapel Strohballen, „ist exzellentes Baumaterial.“ Was für Außenstehende zunächst ungewöhnlich klingt, ist für den Projektleiter der Bildungsoffensive Nachhaltiges Bauen Mitte Niedersachsen bereits gelebter Alltag. „Stroh ist regional verfügbar, speichert CO₂, wächst nach – und lässt sich am Ende seines Lebenszyklus wieder vollständig in den natürlichen Kreislauf zurückführen“, erklärt Gruender die Vorteile des ökologischen Baustoffs. 

 

Bildungsoffensive für nachhaltiges Bauen 

Noch gelten das Bauen mit Stroh und der Einsatz anderer nachwachsender Rohstoffe wie Wolle, Hanf oder Seegras als Nischenlösung. Doch genau das soll sich ändern. „Die Bildungsoffensive Nachhaltiges Bauen Mitte Niedersachsen ist ein Projekt der Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung, kurz BiWeNa e.V., und hat das Ziel, klimaschonendes Bauen in der Region zu fördern“, sagt Projektleiter Gruender. „Das tun wir, indem wir weiterbilden, aufklären und für die Thematik sensibilisieren.“ 

Dafür setzt die Bildungsoffensive auf vier zentrale Bereiche: Wissenstransfer durch Weiterbildungen und Vorträge, Beratung zu nachhaltigen Bauvorhaben, Vernetzung verschiedener Bauakteure über Runde Tische sowie begleitende Öffentlichkeitsarbeit. Alle Angebote sind dabei kostenfrei und offen zugänglich. 

 

Lernen am gebauten Beispiel in Verden

Wirkungsstätte des Projekts ist das Norddeutsche Zentrum für Nachhaltiges Bauen in Verden. Hier erhalten Interessierte umfassende Informationen zu Neubau und Altbausanierung – aufbereitet anhand von Praxisbeispielen. Vermittelt werden Kenntnisse über den Lebenszyklus von Baustoffen, standortgerechte und nutzungsangepasste Gebäudehüllen, gesunden Innenausbau sowie moderne Gebäudetechnik, die Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz miteinander verbindet. 

Das Zentrum ist dabei selbst Teil des Konzepts und übernimmt eine Vorreiterrolle: Mit seiner Bauweise aus vorgefertigten, strohballengedämmten Holzrahmen-Elementen zeigt es eindrucksvoll, wie nachhaltiges Bauen funktionieren kann – als höchstes Gebäude seiner Art in Europa.

 

Bausektor als Schlüssel für den Klimaschutz

Wie entscheidend nachhaltiges Bauen für die Zukunft ist, zeigt ein Blick auf aktuelle Zahlen: Der Bausektor ist weltweit für rund 40 Prozent, in Deutschland für etwa 30 Prozent der CO₂-Emissionen verantwortlich und spielt daher eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der Klimaziele. Auch beim Abfallaufkommen zählt die Baubranche zu den größten Verursachern.

Es gibt also viel Potenzial, um Veränderungen anzustoßen – gerade in Niedersachsen, wo der Bausektor mit zahlreichen regionalen Handwerksbetrieben zugleich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.

 

Nachhaltigkeit braucht Wissen – und Veränderungsbereitschaft

Die größten Herausforderungen sieht Projektleiter Gruender in fehlenden Kompetenzen für klima- und ressourcenschonendes Bauen sowie im mangelnden Bewusstsein für die Möglichkeiten ökologischer Bauweisen. „Umso wichtiger ist es, Akteure so zu stärken, dass sie in die Umsetzung kommen“, betont er. Dazu gehören Kenntnisse über ökologische Baumaterialien ebenso wie ein Verständnis dafür, welche Weichen bereits in frühen Planungsphasen gestellt werden müssen.

Für Adina Lange, im Projekt zuständig für Beratung und Wissenstransfer, ist klar: „Nachhaltigkeit ist keine rein technische Angelegenheit – es geht auch um kulturellen Wandel. Wir wollen die Menschen erreichen, sie mitnehmen und dort abholen, wo sie aktuell stehen. Hierfür sind die Querschnittsziele der Europäischen Union und des Landes Niedersachsen der Schlüssel.“ Gemeint sind damit die vier Querschnittsziele nachhaltige Entwicklung, Gleichstellung der Geschlechter, Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung sowie gute Arbeit, die einen wesentlichen Rahmen für die Projektarbeit bilden.

 

Europäische Förderung wirkt vor Ort

Das Land Niedersachsen fördert die Arbeit der Bildungsoffensive aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit mehr als 180.000 Euro. In der Förderperiode 2021–2027 verfolgt Niedersachsen beim EFRE unter anderem den Schwerpunkt, ein grüneres und CO₂-ärmeres Bundesland zu schaffen. Hinzu kommen Mittel der Landkreise Verden, Diepholz und Nienburg/Weser, die sich als „Zukunftsregion Mitte Niedersachsen“ zusammengeschlossen haben, um die Region landkreisübergreifend zukunftsfähig aufzustellen. 

„Die EU-Förderung ist für uns ganz entscheidend – ohne sie wäre das Projekt nicht möglich“, betont Gruender. Anderen Förderinteressierten rät er, sich einfach zu trauen und sich zu bewerben: „Die EU-Fördermittel sind vorhanden – man sollte sie nutzen.“ Für die Zukunft des Projekts haben Gruender und sein Team bereits konkrete Pläne: „Mit den Fördermitteln wollen wir das Wissen noch stärker in andere Landkreise tragen. Dafür haben wir einen Trailer als mobile Lernbaustelle ausgebaut und kommen damit direkt zu den Menschen – etwa auf Marktplätze oder vor Rathäuser. Damit machen wir nachhaltiges Bauen in vielen niedersächsischen Regionen erlebbar.“

Aus Stroh, Wolle, Hanf oder Seegras wird damit mehr als nur ein ungewöhnlicher Baustoff: Die Materialien stehen sinnbildlich für einen Transformationsprozess, der zeigt, wie europäische Förderung in Niedersachsen wirkt – und wie nachhaltiges Bauen Schritt für Schritt den Weg in die Praxis findet.

Projektträger

Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung e.V. Verden (BiWeNa e.V.) gemeinsam mit dem Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen (NZNB)

Förderzeitraum

15.02.2025 - 14.02.2028

Landkreis/kreisfreie Stadt

Verden, Diepholz, Nienburg/Weser

Region

Lüneburg

Projektstandort

Dies ist die Stadt oder Gemeinde, in der das Projekt hauptsächlich durchgeführt wird. 
Verden

Fonds

Dies ist der EU-Fonds oder das Programm, aus dem die Fördermittel stammen.
EFRE

Summe EU-Förderung

Summe der beantragten EU-Förderung aller Projektträger in und außerhalb Niedersachsens, nicht nur die des Genannten.
180.131

Förderfähige Gesamtausgaben

Summe der förderfähigen Ausgaben aller Projektträger in und außerhalb Niedersachsens, nicht nur des Genannten
300.219